Psilocybinhaltige Pilze sind Gegenstand sowohl ökologischer als auch pharmakologischer Forschung. Neben ihrer traditionellen Nutzung als psychoaktive Substanzen interessiert Wissenschaftler unter anderem die Frage, warum die Pilze Psilocybin produzieren und welche Bedeutung der Stoff für ihre Evolution hat.
Die psychoaktive Nutzung bestimmter Pilze ist insbesondere aus indigenen Traditionen Mittelamerikas dokumentiert. Verantwortlich für die psychedelische Wirkung ist nicht Psilocybin selbst, sondern vor allem dessen im Körper entstehendes Dephosphorylierungsprodukt Psilocin. Dieses wirkt hauptsächlich am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor.
Auch die Entstehung der Psilocybin-Biosynthese ist evolutionsbiologisch bemerkenswert. Untersuchungen zeigen, dass Pilze die Fähigkeit zur Produktion von Psilocybin offenbar mindestens zweimal unabhängig voneinander entwickelt haben. Dabei wurden unterschiedliche Enzyme beziehungsweise Biosynthesewege rekrutiert. Neuere Arbeiten bestätigen damit, dass die Fähigkeit zur Psilocybinproduktion im Verlauf der Pilzevolution mehrfach entstanden ist.
Welche Funktion Psilocybin im Pilz selbst erfüllt, ist dagegen weiterhin nicht abschließend geklärt. Eine diskutierte Hypothese betrifft den Fraßschutz: Bei einer Verletzung des Pilzgewebes kann Psilocin zu oligomeren beziehungsweise polymeren Verbindungen reagieren. Diese weisen chemische Eigenschaften auf, die an pflanzliche Polyphenole und Tannine erinnern. Möglicherweise dienen die dabei entstehenden blauen Verbindungen der Abwehr von Fraßfeinden. Diese Funktion ist jedoch bislang eine Hypothese und kein abschließend nachgewiesener biologischer Zweck.
Für den Menschen steht dagegen die psychoaktive Wirkung im Mittelpunkt. Psilocybin kann intensive Veränderungen von Wahrnehmung, Denken und Emotionen hervorrufen. Insbesondere bei hohen oder unkontrollierten Dosen sowie unter ungünstigen Bedingungen können starke Angst, Panik und vorübergehende psychotische Symptome auftreten.
Parallel wird untersucht, ob die pharmakologischen Wirkungen von Psilocybin therapeutisch genutzt werden können. Präklinische Untersuchungen und erste Befunde an menschlichen Zellen sprechen dafür, dass Psilocin Prozesse der neuronalen Plastizität beeinflussen kann. Dabei spielt die Aktivierung von 5-HT2A-Rezeptoren eine wichtige Rolle; daneben werden unter anderem BDNF/TrkB-vermittelte Mechanismen diskutiert. Welche dieser Prozesse für die therapeutischen Wirkungen beim Menschen tatsächlich entscheidend sind, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.
Psilocybin wird deshalb weiterhin in klinischen Studien für verschiedene psychische Erkrankungen untersucht. Dabei geht es nicht nur um die pharmakologische Wirkung des Stoffes, sondern um dessen Anwendung in einem kontrollierten therapeutischen Rahmen. Die Forschung befindet sich weiterhin in einem Entwicklungsstadium; aus den bisherigen Ergebnissen lässt sich noch keine allgemeine therapeutische Wirksamkeit für alle psychischen Erkrankungen ableiten.
Die Forschung an „Zauberpilzen“ verbindet damit mehrere unterschiedliche Fragestellungen: von der mehrfachen evolutionären Entstehung der Psilocybin-Biosynthese über eine mögliche ökologische Funktion der Pilzinhaltsstoffe bis hin zu den neurobiologischen Wirkungen und dem möglichen medizinischen Einsatz von Psilocybin.