Eine kulturwissenschaftliche Studie untersucht den Wandel der Bedeutung von Psychedelika innerhalb der Surfkultur – von ihrer Verbindung mit der Gegenkultur und dem sogenannten „Soul Surfing“ der 1960er- und 1970er-Jahre bis zu ihrer heutigen Einordnung in medizinische und therapeutische Diskurse.
Die unter dem Titel „From Soul to Science: The Evolution of Psychedelics and the Future of Health, Healing, and Wellbeing in Surf Culture“ veröffentlichte Arbeit betrachtet dabei insbesondere, wie Psychedelika von Surfern öffentlich dargestellt werden. Grundlage der Analyse sind unter anderem Interviews, Dokumentarfilme, Podcasts und mediale Darstellungen. Untersucht werden auch öffentliche Aussagen professioneller Surfer wie Kelly Slater, Jamie Mitchell, Koa Smith und Kohl Christensen.
Historisch waren Psychedelika in Teilen der Surfkultur mit dem Ideal des „Soul Surfing“ verbunden. Sie wurden als Mittel für spirituelle Erfahrungen, Gemeinschaft und kulturellen Widerstand verstanden. Im historischen Kontext verweist die Studie unter anderem auf Timothy Leary und die Brotherhood of Eternal Love.
Nach Jahrzehnten der Prohibition hat sich der Diskurs über Psychedelika laut Studie verändert. Im 21. Jahrhundert werden sie zunehmend auch im Zusammenhang mit wissenschaftlicher Forschung und Psychedelika-assistierter Therapie diskutiert, unter anderem im Hinblick auf Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen und Traumafolgen.
Die analysierten Äußerungen professioneller Surfer verbinden demnach Elemente beider Traditionen. Einerseits greifen sie auf die spirituelle und gegenkulturelle Bedeutung des früheren „Soul Surfing“ zurück, andererseits beziehen sie sich auf medizinische und neurowissenschaftliche Vorstellungen. Psychedelische Erfahrungen erscheinen dabei als therapeutisch, introspektiv und bewusstseinsverändernd.
Die Studie beschreibt diesen Diskurs als eine Art kulturelle Synthese, durch die psychedelischer Konsum innerhalb der Surfkultur neu interpretiert und stärker legitimiert werde. Damit verbunden seien Vorstellungen von ganzheitlicher Gesundheit, die auch psychisches und emotionales Wohlbefinden umfassen, sowie ein zunehmendes Interesse an gemeinschaftlichen und Retreat-basierten Praktiken.
Die zentrale These der Arbeit fasst sich im Begriff „From Soul to Science“ zusammen: Die heutige psychedelische Surfkultur knüpft an die spirituelle und gegenkulturelle Vergangenheit an und verbindet diese mit modernen wissenschaftlichen und therapeutischen Deutungen.
Die Untersuchung beschreibt damit vor allem einen kulturellen und diskursiven Wandel. Sie ist keine klinische Studie und liefert entsprechend keinen Nachweis für eine therapeutische Wirksamkeit von Psychedelika bei Surfern.