Der Fliegenpilz (Amanita muscaria) wird zunehmend als psychoaktive Substanz zu Freizeit- und Selbsttherapiezwecken genutzt und stellt nach Einschätzung einer narrativen Übersichtsarbeit neue Herausforderungen für Toxikologie und öffentliche Gesundheit dar. Der Autor sieht den Pilz aufgrund seiner Vermarktung und Nutzung zunehmend im Umfeld neuer psychoaktiver Substanzen (NPS), obwohl er alles andere als eine solche neue Droge ist.
Amanita muscaria wird über Online-Plattformen und soziale Medien unter anderem zur Stressreduktion, Stimmungsverbesserung, Schlafunterstützung und Schmerzlinderung beworben. Für diese Anwendungen gebe es jedoch nur begrenzte klinische Evidenz, während toxikologische Risiken bekannt seien.
Die Übersichtsarbeit fasst verfügbare klinische und toxikologische Erkenntnisse zu den gesundheitlichen Folgen des Konsums zusammen. Demnach nehmen Berichte über einen gezielten Konsum zu. Zugleich beschreibt der Autor uneinheitliche Dosierungspraktiken sowie Vergiftungsfälle mit einem breiten Spektrum an Symptomen – von leichten neurologischen Beschwerden bis hin zu schweren Intoxikationen, die eine stationäre Behandlung erforderlich machen können.
Nach Einschätzung des Autors könnten Erfahrungsberichte im Internet und informelle Empfehlungen zur Risikominderung dazu beitragen, den Konsum zu normalisieren und gesundheitliche Risiken zu unterschätzen. Dadurch werde Amanita muscaria zunehmend in digitalen Drogenmärkten und Selbstexperimentierkulturen genutzt.
Der Autor sieht darin eine regulatorische und gesundheitspolitische Herausforderung. Das Fehlen standardisierter Leitlinien für die Behandlung von Vergiftungen sowie einer systematischen Überwachung erschwere den klinischen Umgang mit entsprechenden Fällen. Er plädiert daher für ein stärkeres Bewusstsein für das toxikologische Profil des Fliegenpilzes, für typische Konsummuster und für Strategien zur Notfallbehandlung, um Ärzte, Toxikologen und Gesundheitsbehörden besser zu unterstützen.
Ordak M. (2026), Amanita muscaria in the evolving novel psychoactive substances landscape – toxicological risks and clinical implications: a narrative review, Front Pharmacol. 17: 1838212.