Die Erforschung psychedelischer Substanzen boomt, doch wissenschaftliche Studien außerhalb klinischer Labore weisen erhebliche Dokumentationsmängel auf. Eine im Journal of Psychoactive Drugs veröffentlichte Scoping-Review der Universität Lissabon und des Imperial College London analysierte 103 Studien zum Gebrauch von Substanzen wie LSD, Psilocybin und Ayahuasca in alltäglichen Anwendungskontexten.
Das Ergebnis: Zwar bietet diese Art von Feldforschung wertvolle Einblicke in den Alltagsgebrauch psychedelischer Substanzen, doch entscheidende Rahmenbedingungen – das sogenannte „Setting“ – werden häufig unzureichend beschrieben. Fast die Hälfte der Studien machte keinerlei Angaben zum Umfeld des Konsums. Faktoren wie Musik, Rituale oder die Anwesenheit von Begleitpersonen wurden oft nur lückenhaft erfasst, obwohl sie als zentral für Wirkung und Verlauf psychedelischer Erfahrungen gelten.
Zudem zeigt sich ein deutliches demografisches Ungleichgewicht: Die Teilnehmenden waren überwiegend männlich und akademisch gebildet. Die Forschenden fordern daher dringend einheitliche Berichtsstandards. Nur so könne die Forschung im realen Umfeld eine verlässliche Ergänzung zu klinischen Studien werden.
Carvalho, L. C., Encantado, J., Kettner, H., Timmermann, C., Veiga, D., Teixeira, P. J. (2026), A scoping review of research in naturalistic studies with psychedelics, Journal of Psychoactive Drugs, 1-14.