Scham und Schuld bei Psilocybin-Erfahrungen häufig

Während einer Psilocybin-Erfahrung treten Scham- und Schuldgefühle offenbar häufig auf. Das zeigt eine prospektive Längsschnittstudie mit 679 Erwachsenen, die Psilocybin in natürlichen, nicht-klinischen Kontexten konsumierten. Die Teilnehmenden wurden vor und nach der Einnahme wiederholt per Online-Fragebogen zu ihrer Erfahrung sowie zu psychologischen Merkmalen befragt.

Akute Scham- oder Schuldgefühle während der Psilocybin-Erfahrung wurden von 68,2 Prozent der Befragten berichtet. Diese Emotionen ließen sich anhand der vorab erhobenen Merkmale nur schwer vorhersagen. Entscheidend für das Wohlbefinden zwei bis vier Wochen nach der Einnahme war nach den Analysen vor allem die Fähigkeit der Teilnehmenden, diese Gefühle während der Erfahrung konstruktiv zu verarbeiten.

Im Durchschnitt führte die Psilocybin-Einnahme zu einer kleinen, aber signifikanten Verringerung der sogenannten Trait-Scham – der generellen Neigung zu Schamgefühlen –, die auch zwei bis drei Monate nach der Einnahme anhielt. Allerdings zeigte sich kein einheitliches Bild: Bei einer merklichen Minderheit von 29,8 Prozent der Befragten nahm die Trait-Scham nach der Einnahme zu.

Die Forschenden plädieren deshalb dafür, die Aktivierung selbstbezogener Emotionen als spezifische Unterkategorie herausfordernder psychedelischer Erfahrungen genauer zu untersuchen. Solche Erlebnisse könnten – je nach Kontext – eine besondere Lernbedingung sowohl für therapeutisch förderliche als auch für schädliche Formen der Rekonsolidierung schambezogener Erinnerungen darstellen.

Quelle

Mathai, D. S., Roberts, D. E., Nayak, S. M., Sepeda, N. D., Lehrner, A., Johnson, M. W. et al. (2026), Shame, guilt and psychedelic experience: Results from a prospective, longitudinal survey of real-world psilocybin use, Journal of Psychoactive Drugs 58(3): 286-297.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab tandfonline.com

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