Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPD) könnten künftig von psychedelischen Therapieansätzen profitieren. Zu diesem Schluss kommt die Übersichtsarbeit Psychedelics as a potential treatment for borderline personality disorder: A narrative review, die den aktuellen Forschungsstand zu Ketamin, Esketamin und Psilocybin bei Betroffenen zusammenfasst.
Die Borderline-Persönlichkeitsstörung ist eine schwere psychische Erkrankung mit hoher Krankheitslast und starker gesellschaftlicher Stigmatisierung. Gleichzeitig sind die verfügbaren Behandlungsoptionen begrenzt, sodass viele Patientinnen und Patienten keine dauerhafte Besserung ihrer Symptome erreichen.
Obwohl das wissenschaftliche Interesse an Psychedelika als neue Therapieform in der Psychiatrie in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, werden Menschen mit Borderline-Störung häufig von klinischen Studien ausgeschlossen. Hintergrund sind Sicherheitsbedenken, insbesondere im Hinblick auf Suizidalität und möglichen Substanzmissbrauch.
Für die Übersichtsarbeit werteten die Forscher Veröffentlichungen aus den Datenbanken Ovid MEDLINE, PsycInfo und Embase aus. Insgesamt flossen 22 Studien mit unterschiedlichen Studiendesigns in die Analyse ein. Untersucht wurden dabei vor allem die Wirkstoffe Ketamin, Esketamin und Psilocybin.
Die Ergebnisse liefern nach Einschätzung der Autoren erste Hinweise darauf, dass diese Substanzen sowohl Kernsymptome der Borderline-Persönlichkeitsstörung als auch die häufig begleitenden Angst- und Depressionserkrankungen positiv beeinflussen könnten. Darüber hinaus gebe es Anzeichen für Verbesserungen der sozialen und beruflichen Funktionsfähigkeit.
Gleichzeitig betont die Übersichtsarbeit, dass die bisherige Evidenz noch begrenzt ist. Die verfügbaren Studien seien heterogen und oft nicht speziell auf Borderline-spezifische Endpunkte ausgerichtet. Daher lasse sich derzeit noch keine abschließende Bewertung der Wirksamkeit und Sicherheit treffen.
Die Forscher fordern deshalb weitere hochwertige klinische Studien, die gezielt Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörung einschließen. Erst solche Untersuchungen könnten klären, welche Rolle psychedelische Therapien künftig in der Behandlung der Erkrankung spielen könnten.
Artna E, Sandhu G, Chisamore N, Lipsitz O, Kaczmarek ES, Johnson DE, Rosenblat JD, Sediqzadah S. (2026), Psychedelics as a potential treatment for borderline personality disorder: A narrative review, Psychiatry Res. 361: 117152.