Der Wirkstoff Rapamycin kann bei Mäusen sowohl die Entstehung als auch das spätere Auftreten einer durch das synthetische Cathinon MDPV hervorgerufenen Verhaltenssensitivierung verhindern. Das zeigt eine aktuelle Studie im Fachjournal Forensic Toxicology, die den Einfluss des mE-Signalwegs (mTOR) auf frühe Suchtprozesse untersuchte.
3,4-Methylendioxypyrovaleron (MDPV) ist ein potentes Psychostimulans mit hohem Abhängigkeitspotenzial. Nach wiederholter Verabreichung löst es bei Tieren eine sogenannte lokomotorische Sensitivierung aus – eine gesteigerte Bewegungsaktivität bei erneuter Drogenzufuhr. Das Phänomen dient in der Wissenschaft als Tiermodell für neuroadaptive Veränderungen in der Frühphase einer Suchtentwicklung.
Um die Rolle des Enzyms mTOR (mammalian target of rapamycin) bei diesen Prozessen zu überprüfen, behandelten die Forschenden C57BL/6JRj-Mäuse in unterschiedlichen Versuchsphasen mit dem mTOR-Hemmer Rapamycin:
- Induktionsphase (Tag 1–7): Die zeitgleiche Gabe von Rapamycin während der ersten sieben Tage verhinderte den Anstieg der horizontalen und vertikalen Bewegungsaktivität am Tag 7 im Vergleich zum ersten Tag. Die Entstehung der Sensitivierung wurde somit blockiert.
- Ausprägungsphase (Entzug): Erhielten die Tiere Rapamycin erst während der letzten fünf Tage einer 13-tägigen drogenfreien Phase, blieb die verstärkte Bewegungsreaktion bei erneuter MDPV-Gabe am Tag 21 ebenfalls aus. Das Auslösen (die Expression) der Sensitivierung wurde folglich unterdrückt.
Die Ergebnisse belegen, dass die dem Verhalten zugrundeliegenden neuroadaptiven Prozesse vom mTOR-Signalweg abhängen. Daraus ergeben sich Ansätze für weitere Forschungen zu mTOR-Hemmern in der Suchtmedizin.
Ein direkter Rückschluss auf die Behandlung menschlicher Suchterkrankungen ist jedoch noch nicht möglich: Das Versuchsdesign erfasste ausschließlich ein spezifisches Bewegungsmodell bei Mäusen, nicht aber komplexe klinische Merkmale wie Verlangen (Craving), zwanghaften Konsum oder Rückfallverhalten.