Psychedelika und Psychoplastogene: Neue Ansätze bei Depression und verwandten Erkrankungen

Psychedelika, Entaktogene und sogenannte Psychoplastogene gehören zu den derzeit intensiv untersuchten Ansätzen für schnell wirksame Behandlungen von Depressionen und verwandten psychischen Erkrankungen. Das beschreibt der Pharmakologe Daniel Hoyer in einem aktuellen Review im British Journal of Pharmacology.

Zu den untersuchten Substanzen zählen klassische Psychedelika wie Psilocybin, LSD und DMT beziehungsweise Ayahuasca, das nicht-psychedelische Entaktogen MDMA sowie Ketamin, Esketamin und Ibogain. Daneben werden weitere Wirkstoffe wie Dextromethorphan/Bupropion und Esmethadon als schnell wirksame pharmakologische Ansätze diskutiert.

Besonders weit fortgeschritten ist die klinische Erforschung von Psychedelika und MDMA bei Depressionen, behandlungsresistenten Depressionen, generalisierten Angststörungen und PTBS. Hoyer verweist auf klinische Studien, die auf einen schnellen Wirkungseintritt bestimmter Substanzen hindeuten. Gleichzeitig befinden sich die meisten Psychedelika weiterhin in der Entwicklung und verfügen über keine Zulassung für neuropsychiatrische Indikationen.

Ein Schwerpunkt des Reviews liegt auf den möglichen biologischen Mechanismen. Klassische Psychedelika wirken insbesondere als Agonisten am Serotonin-5-HT2A-Rezeptor. Darüber hinaus beeinflussen einzelne Substanzen weitere serotonerge und dopaminerge Systeme. Für Psychedelika und andere schnell wirksame Substanzen werden außerdem Veränderungen der Neuroplastizität und Synaptogenese diskutiert. Dabei spielen unter anderem BDNF- und mTORC1-Signalwege eine Rolle.

Auch die funktionelle Organisation des Gehirns könnte von Bedeutung sein. Bei Depressionen wurden Veränderungen verschiedener neuronaler Netzwerke beschrieben, darunter des Default Mode Network (DMN), des Salience Network und kortiko-thalamischer Netzwerke. Laut Hoyer zeigen Bildgebungsstudien, dass psychedelische und entaktogene Substanzen diese Netzwerkaktivität verändern können. Solche Veränderungen könnten künftig möglicherweise als Biomarker genutzt werden, um Behandlungen stärker auf einzelne Patienten abzustimmen.

Der Begriff Psychoplastogen bezeichnet dabei Substanzen, die rasch neuroplastische Veränderungen fördern können, ohne notwendigerweise eine psychedelische Erfahrung hervorzurufen. Hoyer weist allerdings selbst darauf hin, dass die genaue Abgrenzung dieses noch jungen Begriffs nicht abschließend geklärt ist.

Insgesamt sieht der Autor deutliche Hinweise auf eine biologische Grundlage von Depression, generalisierter Angststörung, PTBS und verwandten Erkrankungen. Er ordnet diese als komplexe Störungen ein, an denen biochemische, neurologische und neuroimmunologische Prozesse beteiligt sein könnten. Psychedelika, Entaktogene und Psychoplastogene könnten auf mehrere dieser Prozesse gleichzeitig einwirken. Die Frage, welche dieser Mechanismen tatsächlich für die therapeutischen Effekte entscheidend sind und wie sich daraus sichere und wirksame Behandlungen entwickeln lassen, bleibt Gegenstand weiterer Forschung.

Quelle

Hoyer, D. (2026), Psychedelics, entactogens and psychoplastogens for depression and related disorders, British journal of pharmacology 183(14): 3897-3919.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab bpspubs.onlinelibrary.wiley.com

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