Eine im Fachjournal Molecules veröffentlichte In-silico-Studie deutet darauf hin, dass zahlreiche psychedelische Substanzen und ihre Analoga die menschliche Plazenta relativ leicht passieren könnten. Die Forschenden untersuchten insgesamt 250 Verbindungen, darunter Ketamin sowie Substanzen aus den Stoffgruppen der Tryptamine, Ergoline und Phenylethylamine.
Für die Vorhersage der Plazentagängigkeit verwendeten die Wissenschaftler ein multivariates Modell, das unter anderem Moleküleigenschaften, die Membrandurchlässigkeit, die Bindung an Plasmaproteine und das Verteilungsvolumen berücksichtigt. Nach den Berechnungen weisen die untersuchten Substanzen überwiegend eine hohe Wahrscheinlichkeit auf, die Plazenta zu passieren – vermutlich hauptsächlich durch passive Diffusion.
Bei Psilocybin und Psilocin beispielsweise errechnete das Modell hohe Plazentagängigkeiten. Auch für die untersuchten Ergolene und Phenylethylamine ergaben sich überwiegend entsprechende Hinweise. Mescalin erreichte im Modell mit einem vorhergesagten log-FM-Wert von −0,09 den höchsten Wert der gesamten untersuchten Gruppe. Der log-FM-Wert beschreibt dabei das Verhältnis der Konzentration im fetalen zum mütterlichen Blut im Gleichgewicht.
Die Ergebnisse sind jedoch kein experimenteller Nachweis einer fetalen Exposition und erst recht kein Nachweis einer Schädigung des ungeborenen Kindes. Die Plazentagängigkeit wurde rechnerisch vorhergesagt und nicht bei Schwangeren oder in einem biologischen Modell direkt gemessen. Zudem weisen die Autoren darauf hin, dass weitere Untersuchungen insbesondere zum Stoffwechsel und zur Ausscheidung der Substanzen erforderlich sind, um mögliche Risiken für den Nachwuchs beurteilen zu können.
Die Studie liefert damit vor allem einen Hinweis darauf, dass die mögliche Exposition des Fötus gegenüber Psychedelika während einer Schwangerschaft bei der weiteren pharmakologischen und toxikologischen Forschung berücksichtigt werden sollte.