Psilocybin richtet die Hirnaktivität stärker am Kontext aus

Eine neue Studie in Nature zeigt, dass Psilocybin die Hirnaktivität nicht einfach in einen ungeordneten Zustand versetzt. Vielmehr verändert die Substanz die Dynamik neuronaler Netzwerke so, dass diese stärker mit dem jeweils erlebten Kontext übereinstimmt. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, wie psychedelische Erfahrungen mit Veränderungen des Selbst- und Welterlebens zusammenhängen könnten.

Für die Studie untersuchten Forscher 62 Erwachsene ohne vorherige psychedelische Erfahrung. Die Teilnehmer erhielten eine standardisierte Dosis von 19 Milligramm Psilocybin und wurden mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) und EEG untersucht. Die Messungen fanden sowohl ohne Psilocybin als auch während der akuten Wirkung statt. Dabei wurden verschiedene natürliche Situationen miteinander verglichen: Ruhe, Meditation, Musik und das Anschauen eines Films.

Die herkömmliche Analyse der zeitgemittelten Hirnaktivität bestätigte zunächst bekannte Effekte psychedelischer Substanzen. Unter Psilocybin nahm die funktionelle Netzwerksegregation ab. Gleichzeitig veränderte sich die globale funktionelle Konnektivität: Während die Integration in sensorischen Hirnregionen insbesondere bei geschlossenen Augen abnahm, nahm sie in assoziativen Regionen zu.

Interessanter wurde es bei der Analyse der zeitlichen Dynamik. Mithilfe maschineller Lernverfahren bildeten die Forschenden die Hirnaktivität jedes Teilnehmers als niedrigdimensionale Trajektorien ab. Dadurch konnten sie eine kontextabhängige Organisation erkennen, die in den herkömmlichen zeitgemittelten Analysen verborgen blieb.

Unter Psilocybin unterschieden sich die Muster der Hirnaktivität zunehmend danach, ob sich die Teilnehmer gerade in Ruhe befanden, meditierten, Musik hörten oder einen Film betrachteten. Je stärker die Teilnehmer eine positiv erlebte Auflösung des Selbstgefühls und der Grenze zwischen Selbst und Umwelt berichteten, desto ausgeprägter war diese sogenannte Kontextausrichtung der Hirndynamik.

Die Forscher bezeichnen den damit verbundenen subjektiven Zustand als „embeddedness“ (Eingebettetheit). Gemeint ist ein Erleben, bei dem man sich weniger als von der Umwelt getrennt und stärker als kontinuierlich mit ihr verbunden wahrnimmt.

Damit ergibt sich ein differenzierteres Bild der häufig beschriebenen psychedelischen „Desynchronisation“ des Gehirns: Auf der Ebene zeitgemittelter Netzwerkorganisation nimmt die übliche Trennung zwischen verschiedenen Netzwerken tatsächlich ab. Gleichzeitig kann die zeitliche Dynamik der Hirnaktivität eine strukturierte und kontextabhängige Ordnung aufweisen. Die scheinbare Desorganisation ist demnach nicht mit völliger neuronaler Beliebigkeit gleichzusetzen.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die Stärke dieser Kontextausrichtung nicht nur mit der Intensität der Selbst- und Grenzauflösung zusammenhing. Sie korrelierte auch mit einer Veränderung des subjektiven Mindsets am folgenden Tag. Die Studie zeigt damit einen Zusammenhang zwischen veränderter Hirndynamik, der Qualität der psychedelischen Erfahrung und nachfolgenden psychologischen Veränderungen. Einen kausalen Nachweis, dass die beobachtete Hirndynamik die späteren Veränderungen verursacht, liefert sie jedoch nicht.

Die Ergebnisse könnten helfen zu erklären, warum der Kontext einer psychedelischen Erfahrung eine so wichtige Rolle spielt. Sie zeigen, dass Psilocybin die Hirnaktivität nicht lediglich von ihrer normalen Organisation wegführt, sondern sie zugleich flexibler an die jeweils erlebte Situation koppeln kann.

Die Studie liefert damit einen weiteren Hinweis darauf, dass der psychedelische Zustand weniger als bloße „Desorganisation“ des Gehirns verstanden werden sollte. Vielmehr scheint Psilocybin die Balance zwischen Netzwerktrennung, Integration und zeitlicher Kontextsensitivität grundlegend zu verändern.

Quelle

Stoliker, D., Novelli, L., Khajehnejad, M. et al. (2026), Psychedelics align brain activity with context, Nature 656: 936–947.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab nature.com

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