Potenzial und Risiken von Meskalin bei psychiatrischen Erkrankungen

Meskalin, der psychoaktive Hauptwirkstoff aus Peyote- und San-Pedro-Kakteen, wird seit Jahrhunderten in traditionellen Heilpraktiken verwendet und gewinnt zunehmend wissenschaftliches Interesse im Zusammenhang mit möglichen psychiatrischen Anwendungen. Eine aktuelle systematische Übersichtsarbeit mit dem Titel „The Ethnopharmacological Use of Mescaline for Psychiatric Disorders: A Systematic Review“ hat die bisher verfügbare Literatur zu therapeutischen Effekten und möglichen Risiken von Meskalin ausgewertet. Das Ergebnis: Die derzeitige Studienlage ist zu begrenzt und uneinheitlich, um sichere Aussagen über Nutzen und Sicherheit treffen zu können.

Die Forschenden untersuchten, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Einsatz von Meskalin bei psychiatrischen Beschwerden vorliegen. Dazu wurden Veröffentlichungen aus den Datenbanken PubMed, Scopus, Embase und Cochrane ausgewertet. Von insgesamt 2770 gefundenen Referenzen erfüllten 66 Arbeiten die grundlegenden Einschlusskriterien. Aufgrund der verfügbaren Datenqualität waren jedoch nur 10 Studien für eine vertiefte Analyse geeignet.

Die ausgewerteten Untersuchungen berichteten über mögliche therapeutische Effekte von Meskalin, darunter Verbesserungen von Depressionswerten, gesteigertes Wohlbefinden sowie mögliche positive Veränderungen im Zusammenhang mit Nikotinabhängigkeit, Alkoholkonsum und Zwangssymptomen. Aufgrund der geringen Anzahl geeigneter Studien und der erheblichen Unterschiede zwischen den Untersuchungen lassen sich daraus jedoch keine gesicherten Aussagen über eine klinische Wirksamkeit ableiten.

Neben möglichen positiven Effekten betrachtete die Übersichtsarbeit auch unerwünschte körperliche Reaktionen. Die Bayesianische Analyse zeigte, dass bestimmte Effekte in den verfügbaren Berichten wiederholt beschrieben wurden, darunter Bluthochdruck beziehungsweise Blutdruckanstieg, Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die vorhandenen Daten keine zuverlässige Einschätzung erlauben, wie häufig diese psychischen oder körperlichen Effekte tatsächlich auftreten.

Die Forschenden bewerten die aktuelle Evidenz zu Meskalin insgesamt als begrenzt und von sehr unterschiedlicher Qualität. Es fehlen insbesondere standardisierte klinische Studien, die mögliche therapeutische Anwendungen, Sicherheitsaspekte, Dosierungen und langfristige Auswirkungen systematisch untersuchen.

Aufgrund der langjährigen Verwendung von Peyote innerhalb der Native American Church empfehlen die Autoren eine Zusammenarbeit zwischen der Gemeinschaft, regionalen Krankenhäusern und Giftinformationszentren. Ein standardisiertes Register könnte dazu beitragen, klinisch relevante Daten über die Auswirkungen von Meskalin in häufig betroffenen Bevölkerungsgruppen strukturiert zu erfassen.

Fazit: Die bisherige Forschung liefert Hinweise darauf, dass Meskalin möglicherweise relevante psychologische Effekte aufweist und für bestimmte psychiatrische Anwendungen von Interesse sein könnte. Die derzeitige wissenschaftliche Evidenz reicht jedoch nicht aus, um eine therapeutische Wirksamkeit oder ein umfassendes Sicherheitsprofil zu bestätigen. Weitere hochwertige klinische Studien sind notwendig, um das medizinische Potenzial und die Risiken von Meskalin besser einzuordnen.

Shaw, J., Yong, A., Lee, J., Cheng, J., Andricioaei, A., Wang, J. Y. et al. (2026), The Ethnopharmacological Use of Mescaline for Psychiatric Disorders: A Systematic Review, International Journal of Molecular Sciences 27(7): 3081.

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