Neue Review: Psychedelika bei Autismus-Spektrum-Störungen

Klassische Psychedelika wie Psilocybin und LSD könnten einer neuen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit zufolge neue Impulse für die Erforschung von Autismus-Spektrum-Störungen (ASD) liefern. Ein Team der Universität „Roma Tre“ (Rom) analysierte aktuelle präklinische Tierstudien zu Verhaltens- und Hirnprozessen, die mit ASD in Zusammenhang stehen. Da es bislang keine medikamentöse Therapie gibt, die direkt an den Kernsymptomen von Autismus – etwa sozialer Interaktion oder repetitiven Verhaltensweisen – ansetzt, wächst das Interesse an alternativen Ansätzen.

Die Auswertung der Tierstudien zeigt ein differenziertes Bild: Akute Effekte psychedelischer Substanzen auf das Sozialverhalten fielen uneinheitlich aus. Wiederholte Gaben oder zeitlich verzögerte Untersuchungen führten jedoch in mehreren Studien zu einer gesteigerten Soziabilität. Zudem reduzierten Substanzen wie Psilocybin repetitive beziehungsweise zwanghafte Verhaltensmuster in etablierten Tiermodellen. Die Forschenden führen dies unter anderem auf neuroplastische Prozesse sowie auf Veränderungen von Signalwegen wie BDNF/TrkB zurück, die synaptische Anpassungsprozesse fördern könnten.

Die Autoren betonen allerdings erhebliche Einschränkungen für eine mögliche therapeutische Anwendung: Die Datenbasis beruht fast ausschließlich auf Tierexperimenten, häufig außerhalb etablierter ASD-Modelle und oft in stark vereinfachten Verhaltenstests. Ob und wie die komplexen neuronalen Veränderungen bei autistischen Menschen auf Psychedelika reagieren, ist weitgehend ungeklärt. Die Review versteht sich daher primär als mechanistischer Wegweiser für zukünftige Grundlagenforschung.

Ascone, F., Giangiacomo, D., & Trezza, V. (2026), Classic psychedelics and autism spectrum disorder: preclinical evidence, mechanistic insights and unresolved challenges, Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 106761.

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