Eine internationale Forschungsgruppe hat die bislang umfassendste Untersuchung zu den Auswirkungen psychedelischer Substanzen auf die Gehirnfunktion vorgelegt. Für die Studie wurden Daten aus elf unabhängigen fMRT-Studien mit insgesamt fünf Psychedelika – Psilocybin, LSD, Meskalin, DMT und Ayahuasca – zusammengeführt und einheitlich ausgewertet.
Die Wissenschaftler identifizierten dabei ein übergreifendes Muster, das unabhängig von Wirkstoff und Studienstandort auftrat. Besonders auffällig war eine verstärkte funktionelle Vernetzung zwischen sogenannten transmodalen Hirnnetzwerken, die unter anderem mit Selbstwahrnehmung, Emotionen und höheren kognitiven Funktionen in Verbindung stehen, und sensorischen Netzwerken für Sehen und Bewegung. Dies deutet darauf hin, dass Psychedelika die Kommunikation zwischen normalerweise stärker getrennten Hirnsystemen intensivieren.
Darüber hinaus beobachtete das Team Veränderungen in tieferliegenden Hirnregionen wie dem Thalamus, dem Nucleus caudatus und dem Putamen sowie im Kleinhirn. Diese Strukturen zeigten eine veränderte Kopplung mit sensomotorischen Netzwerken. Die Ergebnisse legen nahe, dass Psychedelika nicht nur die Großhirnrinde, sondern auch subkortikale Schaltkreise gezielt beeinflussen.
Im Gegensatz zu einigen früheren Einzelstudien fanden die Forschenden nur begrenzte Hinweise auf eine generelle Abschwächung der Verbindungen innerhalb einzelner Hirnnetzwerke. Stattdessen zeigten sich solche Effekte lediglich selektiv und mit deutlichen Unterschieden zwischen den untersuchten Substanzen.
Nach Angaben der Autoren hilft die Mega-Analyse, bisher widersprüchliche Befunde der Psychedelika-Forschung einzuordnen. Die Studie liefere eine statistisch robuste Karte der Veränderungen großskaliger Hirnorganisation unter psychedelischen Wirkstoffen und könne künftig als Referenz für neurobiologische und klinische Untersuchungen dienen.
Die Ergebnisse stützen die Annahme, dass Psychedelika die funktionelle Architektur des Gehirns vorübergehend neu organisieren, indem sie die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Hirnnetzwerken verstärken und gleichzeitig ausgewählte subkortikale Systeme einbeziehen. Dies könnte zum besseren Verständnis ihrer potenziellen therapeutischen Wirkungen bei psychischen Erkrankungen beitragen.
Girn, M., Doss, M.K., Roseman, L. et al. (2026), An international mega-analysis of psychedelic drug effects on brain circuit function, Nat Med 32:1543–1554.