Eine im Journal of Psychedelic Studies erschienene Buchbesprechung beleuchtet die zunehmende Ökonomisierung der psychedelischen Renaissance. Gegenstand der Rezension ist das Werk Psychedelic Capitalism der Politikwissenschaftler Jamie Brownlee und Kevin Walby, die die Transformation psychedelischer Substanzen in ein renditeorientiertes Wirtschaftsgut kritisch analysieren.
Laut den Autoren erschließen Biotech-Unternehmen, Investoren und Venture-Capital-Firmen mit der Entwicklung psychedelischer Arzneimittel einen potenziell milliardenschweren Massenmarkt. Besondere Kritik richten sie an das Entstehen eines »psychedelischen Industriekomplexes«, die Zunahme von Patenten sowie an Versuche, die chemischen Eigenschaften oder die Wirkungsdauer der Substanzen gezielt für kommerzielle Zwecke zu modifizieren. Zudem hat die steigende Nachfrage im globalen Norden spürbare Konsequenzen für indigene Gemeinschaften: Die Trennung der Pflanzen von ihren kulturellen und spirituellen Ursprüngen führt zu ökologischen Belastungen und erschwert traditionellen Gemeinschaften den Zugang zu ihren heiligen Medizinformen.
Obgleich Brownlee und Walby das therapeutische Potenzial von Psychedelika bei bestimmten mentalen Erkrankungen nicht abstreiten, betonen sie, dass diese Substanzen kein Allheilmittel für die globale psychische Gesundheitskrise darstellen und gesellschaftliche Ursachen psychischer Belastungen nicht beseitigen können. Als Gegenentwurf zur Monopolisierung durch das medizinisch-pharmazeutische System plädieren sie für eine gemeinschaftlich kontrollierte Entkriminalisierung. Der Rezensent Sotillos ergänzt abschließend, dass der psychedelische Kapitalismus letztlich auch den Versuch darstellt, die Sinn- und Spiritualitätskrise der modernen Gesellschaft über rein kommerzielle Angebote zu kompensieren.