Klassische Psychedelika bei chronischen Schmerzen: Erste Hinweise, aber noch kein Wirksamkeitsnachweis

Könnten klassische Psychedelika künftig eine Rolle bei der Behandlung chronischer Schmerzen spielen? Eine aktuelle kritische Übersichtsarbeit untersucht die bisherige wissenschaftliche Evidenz zu Psilocybin, LSD, Ayahuasca, DMT und Meskalin und kommt zu einem vorsichtig positiven, zugleich aber deutlich vorläufigen Ergebnis.

Die Autoren identifizieren mehrere Mechanismen, über die Psychedelika möglicherweise auf chronische Schmerzen einwirken könnten. Dazu zählen Veränderungen der Neuroplastizität, mögliche Einflüsse auf Entzündungsprozesse und Veränderungen großräumiger neuronaler Netzwerke. Darüber hinaus könnten psychedelische Erfahrungen psychologische Prozesse wie Schmerzakzeptanz und kognitive Flexibilität beeinflussen.

Auch erste Untersuchungen am Menschen liefern Hinweise auf einen möglichen Nutzen. Untersucht wurden unter anderem Fibromyalgie, Migräne und Clusterkopfschmerzen sowie weitere chronische Schmerzsyndrome. Die Ergebnisse sind allerdings noch heterogen und stammen vielfach aus kleinen Beobachtungsstudien, Pilotstudien oder frühen klinischen Untersuchungen. Bei einzelnen Erkrankungen gibt es positive Signale, während andere Untersuchungen keine statistisch eindeutigen Effekte zeigen.

Damit lässt sich aus der bisherigen Forschung noch nicht ableiten, dass klassische Psychedelika eine wirksame Behandlung chronischer Schmerzen darstellen. Ein wesentliches Problem besteht in den teilweise sehr kleinen Stichproben. Hinzu kommt die sogenannte funktionelle Entblindung: Die charakteristischen Wirkungen psychedelischer Substanzen machen es für Teilnehmer und teilweise auch für Studienpersonal häufig erkennbar, ob ein Psychedelikum verabreicht wurde.

Die Autoren diskutieren zudem Sicherheitsaspekte, Kontraindikationen, mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten sowie regulatorische Fragen. Bemerkenswert ist, dass sie auch praktische Hinweise für medizinisches Fachpersonal formulieren, dessen Patienten Psychedelika bereits eigenständig zur Behandlung ihrer Schmerzen verwenden.

Die Bilanz der Übersichtsarbeit fällt somit differenziert aus: Die bisherigen Ergebnisse sind wissenschaftlich interessant und liefern sowohl mechanistische Plausibilität als auch erste klinische Signale. Ein belastbarer Wirksamkeitsnachweis steht jedoch noch aus. Dafür seien insbesondere größere, gut kontrollierte randomisierte Studien erforderlich.

Ob klassische Psychedelika tatsächlich einen therapeutischen Platz in der Behandlung chronischer Schmerzen finden werden, ist damit weiterhin eine offene Forschungsfrage.

Quelle

Boehnke, K.F., Pouyan, N., Aday, J.S. (2026), Classic Psychedelics for Chronic Pain: A Critical Review of the Literature and Practical Advice for Clinicians, Drugs 86: 1307–1324.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab link.springer.com

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