Ketamin gegen Depression: Warum die Therapie nicht bei jedem gegen Anhedonie hilft

Eine kleine Beobachtungsstudie mit stationär behandelten Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Depression liefert Hinweise darauf, welche Faktoren mit einem fehlenden Rückgang von Anhedonie unter Ketamintherapie zusammenhängen könnten. Anhedonie – also die verminderte Fähigkeit, Freude oder Interesse zu empfinden – gilt als zentrales Symptom schwerer Depressionen und ist mit höherer Krankheitslast, schlechterer Alltagsfunktion und erhöhtem Suizidrisiko verbunden.

Für die retrospektive Analyse werteten Forschende Daten von 34 Patientinnen und Patienten mit therapieresistenter Major Depression aus, die zusätzlich zur Standardbehandlung über vier Wochen Ketamin erhielten – entweder intravenös oder oral. Untersucht wurde, welche klinischen und sozialen Merkmale mit dem Ansprechen auf die Anhedonie-Symptomatik verbunden waren. Als Therapieerfolg galt eine Verbesserung um mindestens 50 Prozent auf der Snaith-Hamilton Pleasure Scale (SHAPS), einem etablierten Instrument zur Erfassung von Anhedonie.

Die Auswertung zeigte: 16 der 34 Betroffenen – rund 47 Prozent – erreichten diese Verbesserung nicht. Auffällige Unterschiede zwischen Respondern und Non-Respondern fanden sich vor allem in drei Bereichen. Patientinnen und Patienten ohne deutliche Verbesserung der Anhedonie wiesen eine geringere Rate an Substanzgebrauchsstörungen in der Vorgeschichte auf, berichteten über weniger depressive Episoden im bisherigen Krankheitsverlauf und waren häufiger alleinstehend.

Ein statistisches Modell, das diese drei Faktoren gemeinsam berücksichtigte, erwies sich insgesamt als signifikant. Unterschiede zwischen intravenöser und oraler Ketamingabe konnten dagegen nicht festgestellt werden; die Verteilung beider Behandlungsformen war in den Gruppen vergleichbar.

Die Autorinnen und Autoren betonen, dass die Ergebnisse aufgrund der kleinen Stichprobe und des retrospektiven Designs vorsichtig interpretiert werden müssen. Die Daten deuteten jedoch darauf hin, dass psychosoziale Faktoren und individuelle Krankheitsverläufe eine wichtige Rolle für das Ansprechen von Anhedonie-Symptomen unter Ketamin spielen könnten. Dies unterstreiche die Bedeutung personalisierter Therapieansätze bei therapieresistenten Depressionen.

Walaszek M, Cubała WJ, Kachlik Z, Pastuszak M, Pastuszak K, Kwaśny A. (2026), Clinical correlates of anhedonia non-response to ketamine in treatment-resistant depression, J Affect Disord. 407: 121762.

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