In-silico-Studie untersucht toxikologisches Profil von PCP-Analoga als neue psychoaktive Substanzen

Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung hat das gesundheitliche Risikoprofil der sechs PCP-Analoga bzw. -Derivate 3-HO-PCP, 3-MeO-PCP, 4-MeO-PCP, 3-HO-PCE, 3-MeO-PCE und 4-MeO-PCE analysiert. PCP ist Phencyclidin – besser bekannt als „Angel Dust“ – und die klinische Vorgängersubstanz von Ketamin. PCP-Analoga bzw. -Derivate erzeugen einen Zustand der Entkopplung von der Umwelt und bergen ein hohes Missbrauchspotenzial. Da zu dieser Gruppe aus der Stoffklasse der Arylcyclohexylamine bisher kaum verlässliche Labordaten vorliegen, nutzten die Forschenden ein umfassendes Verfahren aus neun verschiedenen Computer-Modellen, um die potenziellen Gefahren für den menschlichen Körper zu berechnen.

Die Computersimulationen lieferten übereinstimmende Hinweise darauf, dass die Wirkstoffe beim Verschlucken eine mittelschwere akute Vergiftung auslösen können. Wird die Substanz hingegen direkt in die Blutbahn gespritzt, reicht nach den Berechnungen bereits eine weitaus geringere Menge für eine lebensbedrohliche Vergiftung aus. Je nach Variante der Substanz drohen zudem Gesundheitsrisiken, wenn der Stoff über die Haut aufgenommen oder eingeatmet wird.

Bei der Analyse möglicher Organschäden zeigten die Modelle deutliche Warnsignale für die Lunge, die Leber und das Blutsystem, gefolgt von Risiken für den Magen-Darm-Trakt. Die Wahrscheinlichkeit für Nierenschäden wurde im Vergleich dazu als geringer eingestuft. Ein weiteres ernstzunehmendes Risiko betrifft das Herz: Mehrere Modelle sagen voraus, dass die Substanzen einen wichtigen Ionenkanal im Herzmuskel blockieren können. Dies kann im schlimmsten Fall zu gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen.

Entwarnung gaben die Computerprogramme hingegen bei der Frage, ob die Stoffe das Erbgut schädigen: Hinweise auf eine erbgutverändernde oder krebserregende Wirkung zeigten sich bei keiner der untersuchten Varianten. Zwei bestimmte chemische Abkömmlinge fielen jedoch durch eine starke lokale Reizwirkung auf: Für sie berechneten die Modelle eine extrem hohe Wahrscheinlichkeit für schwere Augen- und Hautreizungen bei direktem Kontakt. Zudem wurde untersucht, ob die Wirkstoffe in den Hormonhaushalt eingreifen. Hier zeigten sich jedoch nur schwache bis mäßige Wechselwirkungen mit den körpereigenen Östrogen-Rezeptoren.

Zusammenfassend zeichnen die gesammelten Computermodelle das Bild einer Stoffklasse mit spürbaren Risiken. Die Substanzen neigen zu einer mittelschweren akuten Toxizität, bergen Gefahren für wichtige Organe wie Lunge und Leber und könnten das Herz schädigen, während eine Gefahr für das Erbgut unwahrscheinlich ist. Auch wenn diese rein digitalen Vorhersagen keine echten Labor- und Tierversuche ersetzen können, liefern sie der Medizin, der Rechtsmedizin und den Regulierungsbehörden wichtige Anhaltspunkte, um die Gefahren dieser neuen Designerdrogen besser einschätzen zu können.

Noga, M., Jurowski, K. (2026), Qualitative and quantitative in silico toxicity profiling of “angel dust”: phencyclidine (PCP) analogues as new psychoactive substances (3-HO-PCP, 3-MeO-PCP, 4-MeO-PCP, 3-HO-PCE, 3-MeO-PCE, 4-MeO-PCE), Arch Toxicol 100: 1049–1079.

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