Ibogain bei Ketamin-Gebrauchsstörung: Erster Langzeitfall dokumentiert

Studie der Psychedelia-Stiftung zeigt anhaltende Abstinenz nach neuartiger Intervention

Eine neue wissenschaftliche Publikation beschreibt erstmals einen longitudinal dokumentierten Fall einer anhaltenden Abstinenz bei schwerer Ketamin-Gebrauchsstörung nach einer Ibogain-gestützten Behandlung. Die Fallstudie „Sustained abstinence in severe ketamine use disorder following ibogaine treatment“ von Sergio Pérez Rosal, Sonya Faber und Markus Backmund wurde von der gemeinnützigen Psychedelia-Stiftung in Berlin verantwortet und durchgeführt.

Ketamin-Gebrauchsstörungen stellen eine zunehmende klinische Herausforderung dar. Schwere Verläufe sind häufig mit ausgeprägtem Suchtdruck, hohen Rückfallraten und bislang begrenzten pharmakologischen Behandlungsmöglichkeiten verbunden. Die vorliegende Arbeit dokumentiert den Verlauf eines 30-jährigen Patienten mit einer fünfjährigen Vorgeschichte einer schweren Mehrfachsubstanzabhängigkeit, einschließlich eines täglichen intranasalen Ketaminkonsums von 2 bis 3 Gramm sowie zusätzlichem Konsum von Kokain und Alkohol. Zusätzlich bestand eine rezidivierende depressive Störung.

Trotz vorausgegangener konventioneller psychiatrischer Behandlung bestanden weiterhin erhebliche Craving-Symptome. Der Patient erhielt daraufhin eine Ibogain-gestützte Intervention im Rahmen eines strukturierten 13-tägigen stationären Programms in Mexiko. Die Behandlung erfolgte unter kontinuierlicher medizinischer Überwachung, einschließlich EKG-Kontrollen. Verabreicht wurden zunächst 800 mg Ibogain-Hydrochlorid (10,1 mg/kg), gefolgt von zwei ergänzenden Booster-Dosen von jeweils 300 mg (3,8 mg/kg).

Nach der Intervention berichtete der Patient über ein unmittelbares Ausbleiben des Suchtdrucks für die zuvor konsumierten Substanzen. Über einen Nachbeobachtungszeitraum von etwa 17 Monaten zeigten wiederholte toxikologische Untersuchungen und standardisierte psychometrische Erhebungen eine anhaltende Abstinenz von Ketamin, Kokain, Alkohol und weiteren zuvor missbrauchten Substanzen.

Parallel wurden deutliche Verbesserungen der psychischen Gesundheit und Lebensqualität dokumentiert. Die Depressionssymptomatik reduzierte sich erheblich (PHQ-9-Werte zwischen 0 und 3), während sich auch Angstbelastung und Lebensqualität (WHOQOL-BREF von 55 auf 71) verbesserten. Etwa elf Monate nach der Erstintervention erhielt der Patient zusätzlich eine medizinisch überwachte fraktionierte Ibogain-Behandlung.

Die Autoren beschreiben diesen Fall als den ersten longitudinal dokumentierten Bericht über eine anhaltende Abstinenz bei schwerer Ketamin-Gebrauchsstörung nach einer Ibogain-Behandlung. Die Ergebnisse erweitern die bisherige Forschung zu Ibogain, die sich bislang überwiegend auf Opioid-Gebrauchsstörungen konzentriert hat.

Als mögliche Erklärungsansätze diskutieren die Autoren verschiedene pharmakologische Eigenschaften von Ibogain und seinem aktiven Metaboliten Noribogain. Dazu gehören unter anderem ein akuter NMDA-Antagonismus sowie eine Beeinflussung serotonerger (Hemmung des Serotonintransporters) und opioiderger Signalwege (Kappa-Opioid-Rezeptor-Agonismus), die gemeinsam zu einer Stabilisierung des Belohnungssystems beitragen können. Zudem wird eine durch erhöhte GDNF/BDNF-Expression vermittelte gesteigerte Neuroplastizität als Faktor für langfristige Verhaltensänderungen diskutiert. Diese Mechanismen sind Gegenstand weiterer Forschung und müssen in kontrollierten klinischen Studien untersucht werden.

Die Publikation stellt keinen Wirksamkeitsnachweis im Sinne einer randomisierten klinischen Studie dar, sondern liefert eine detaillierte Einzelfalldokumentation mit objektiven Verlaufsdaten. Die Autoren betonen die Notwendigkeit weiterer kontrollierter Studien, um Sicherheit, Wirksamkeit und geeignete medizinische Rahmenbedingungen für den möglichen Einsatz von Ibogain bei Ketamin-Gebrauchsstörungen systematisch zu untersuchen.

Die Psychedelia-Stiftung Berlin engagiert sich für die wissenschaftliche Erforschung psychedelischer Substanzen und ihrer potenziellen Bedeutung für Medizin und Psychotherapie. Mit dieser Arbeit trägt die Stiftung dazu bei, neue Forschungsfelder evidenzbasiert zu erschließen und die Grundlage für zukünftige klinische Untersuchungen zu schaffen.

Pérez Rosal, S.R., Faber, S., Backmund, M. (2026), Sustained abstinence in severe ketamine use disorder following ibogaine treatment, Frontiers in Psychiatry 17: 1846320.

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