Historische Psychedelika-Studien zeigen keine nachhaltigen Effekte einer alleinigen „Peak Therapy“

Mann mit grauem Haar im Cordsakko liest an einem Schreibtisch eine Ausgabe des Journal of Psychopharmacology, daneben gestapelte Aktenordner mit Studienunterlagen aus den Jahren 1965 bis 1977.

Eine im Journal of Psychopharmacology veröffentlichte Übersichtsarbeit stellt die verbreitete Einschätzung infrage, die kontrollierten Studien zur psychedelischen Therapie aus den 1960er- und 1970er-Jahren seien vor allem aufgrund methodischer Mängel wenig aussagekräftig. Torsten Passie und Michiel van Elk analysierten elf kontrollierte Untersuchungen aus den USA und Kanada, die zwischen 1965 und 1977 durchgeführt wurden. Untersucht wurden unter anderem Menschen mit Alkohol- und Opioidkonsumstörungen sowie Psychoneurosen.

Nach Einschätzung der Autoren waren die damaligen Studien für ihre Zeit methodisch vergleichsweise fortgeschritten. Mehrere Arbeiten verwendeten Verblindung, aktive Kontrollbedingungen, Vergleichsgruppen und langfristige Nachuntersuchungen. Allerdings war die statistische Berichterstattung teilweise deutlich weniger detailliert als nach heutigen Standards.

Die Neubewertung ergibt ein überwiegend ernüchterndes Bild hinsichtlich der Nachhaltigkeit einer klassischen psychedelischen „Peak Therapy“. Trotz unterschiedlicher Studiendesigns fanden die meisten Untersuchungen keine signifikanten langfristigen Unterschiede zwischen psychedelisch behandelten und Kontrollgruppen. Verbesserungen unmittelbar nach der Behandlung oder in den ersten Monaten waren teilweise zu beobachten, ließen sich jedoch häufig bei späteren Nachuntersuchungen nicht mehr eindeutig der psychedelischen Behandlung zuschreiben.

Dabei gab es durchaus einzelne positive Befunde. In einer Studie mit opioidabhängigen Patienten waren beispielsweise nach zwölf Monaten 25 Prozent der Teilnehmer aus der LSD-Gruppe abstinent, verglichen mit fünf Prozent in der Kontrollgruppe. Ein signifikanter Unterschied bei der allgemeinen sozialen Anpassung zeigte sich dagegen nicht.

Die Autoren sehen die Ergebnisse insbesondere als Hinweis darauf, dass eine einzelne oder wenige hoch dosierte psychedelische Sitzungen mit dem Ziel einer „Peak Experience“ bei chronischen Erkrankungen möglicherweise nicht ausreichen, um dauerhafte therapeutische Veränderungen hervorzubringen. Eine mystische Erfahrung allein sollte daher nicht als hinreichender Wirkmechanismus betrachtet werden.

Stattdessen könne die nach einer psychedelischen Erfahrung auftretende positive „Afterglow“-Phase ein therapeutisches Zeitfenster darstellen, in dem psychotherapeutische Prozesse besonders wirksam unterstützt werden können. Die Autoren plädieren entsprechend für einen stärkeren psychotherapeutischen Rahmen und sehen Psychedelika eher als mögliche Unterstützung einer Psychotherapie denn als deren Ersatz.

Einordnung: Die Arbeit widerlegt nicht die Möglichkeit langfristiger therapeutischer Effekte durch Psychedelika. Sie zeigt vielmehr, dass die historischen kontrollierten Studien insbesondere für ein kurzes, auf eine Peak Experience ausgerichtetes Behandlungsmodell bei chronischen Störungen keine überzeugenden Belege für nachhaltige Effekte lieferten. Daraus leiten die Autoren Konsequenzen für die Gestaltung heutiger psychedelischer Therapien ab.

Quelle

Passie T, van Elk M. (2026), Psychedelic therapy without durable effects: A review and re-evaluation of controlled studies between 1965 and 1977, J Psychopharmacol. 2026 Sep 7: 2698811261478606.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab pubmed.ncbi.nlm.nih.gov

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