Fliegenpilz: Studie findet keine Belege für verbreiteten Suizideinsatz

Eine aktuelle Literaturübersicht untersucht die häufig wiederholte Behauptung, der Fliegenpilz (Amanita muscaria) werde verbreitet als Suizidmittel eingesetzt. Die Autoren Kevin Feeney und Tristan Kallweit werteten dafür englisch- und deutschsprachige Literatur aus, darunter wissenschaftliche Publikationen, mykologische Fachliteratur, Pilzführer und ethnografische Quellen.

Das Ergebnis: Die verfügbare Literatur liefert keine ausreichenden Belege für einen historischen oder gegenwärtigen Trend, den Fliegenpilz häufig zu Suizidzwecken einzusetzen. Auch Hinweise darauf, dass A. muscaria ein zuverlässig tödliches Suizidmittel sei, konnten die Autoren nicht finden.

Die Untersuchung ergab allerdings nicht, dass es überhaupt keine entsprechenden Fälle gegeben hätte. Die Autoren identifizierten einzelne dokumentierte Suizidversuche, darunter einen Fall aus Deutschland aus dem Jahr 1955. Daraus lasse sich jedoch kein verbreiteter Einsatz des Fliegenpilzes für Suizidzwecke ableiten.

Besonders kritisch sehen die Autoren die wissenschaftliche Weitergabe unbelegter Behauptungen. Sie zeigen unter anderem einen Fall, in dem eine Publikation einen angeblichen Todesfall nach Suizid mit A. muscaria einer älteren Quelle zuschrieb, die diesen Fall nach ihrer Überprüfung gar nicht dokumentierte. Solche ungeprüften oder fehlerhaften Zitationen könnten dazu beigetragen haben, die Vorstellung vom Fliegenpilz als verbreitetem Suizidmittel in der Literatur zu etablieren.

Die Autoren sprechen in diesem Zusammenhang von „Amanitaphobia“ – einer ihrer Ansicht nach in Teilen der Literatur erkennbaren Voreingenommenheit gegenüber A. muscaria, bei der dessen Gefährlichkeit und Letalität überzeichnet werden. Für die Vorstellung, Amanita muscaria werde häufig und zuverlässig tödlich zur Selbsttötung eingesetzt, findet die Literaturübersicht keine belastbare Grundlage.

Fazit: Die Autoren plädieren für eine evidenzbasierte Bewertung der Risiken von Amanita muscaria und dafür, unbelegte Aussagen über seine Giftigkeit und Verwendung nicht durch wiederholte Zitation zu vermeintlichen wissenschaftlichen Tatsachen werden zu lassen.

Quelle

Feeney, K., Kallweit, T. (2026), Amanitaphobia and the myth of suicide by fly agaric (Amanita muscaria) mushroom ingestion, Journal of Psychedelic Studies 2054-2026.

Zur Studie, öffnet in neuem Tab akjournals.com

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