Forschende haben erstmals die neuronalen und subjektiven Merkmale einer nondualen Meditation direkt mit den Effekten des Psychedelikums 5-Methoxy-DMT (5-MeO-DMT) verglichen. Grundlage ist eine kontrollierte Einzelfallstudie mit einem fortgeschrittenen Meditierenden und Lama der Mahāmudrā-Tradition.
Der Teilnehmer absolvierte eine traditionelle nonduale Meditation sowie Sitzungen mit Placebo und zwei Dosierungen von 5-MeO-DMT (5 und 12 Milligramm). Währenddessen erfasste das Forschungsteam die Hirnaktivität mittels hochauflösender Elektroenzephalografie (hdEEG), psychometrische Daten und phänomenologische Berichte.
Beim Vergleich der nondualen Meditation mit der niedrigen Dosis von 5-MeO-DMT zeigten sich sowohl Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. Beide Zustände waren nach Angaben des Teilnehmers unter anderem durch ein verändertes Zeitempfinden, eine geringere gedankliche Einordnung sensorischer Eindrücke sowie eine Abschwächung des narrativen Selbst und des Gedankenflusses gekennzeichnet. Auch die hdEEG-Daten wiesen Überschneidungen auf: Beide Bedingungen gingen mit einer erhöhten Alpha-Leistung und einer verringerten Gamma-Leistung einher. Eine Dekodierungsanalyse der Hirndaten ergab zudem signifikante neuronale Überlappungen, die vor allem auf verringerte Gamma-Aktivität in posterioren und rechten frontalen Hirnregionen zurückzuführen waren.
Gleichzeitig unterschieden sich die beiden Zustände. Die nonduale Meditation war insbesondere durch das Erleben von Nichtdualität und geistiger Klarheit geprägt. Unter der niedrigen Dosis von 5-MeO-DMT berichtete der Teilnehmer dagegen häufiger von visuellen Vorstellungen. Die hohe Dosis (12 Milligramm) führte zu einem qualitativ anderen Erleben mit sensorischer Abkopplung, der Wahrnehmung eines „weißen Lichts“ sowie einer breit erhöhten Gamma-Leistung im EEG.
Auf Grundlage der hdEEG-Befunde schlagen die Autorinnen und Autoren zwei unterschiedliche Wege der Selbstauflösung beziehungsweise der Annäherung an einen weitgehend inhaltsfreien Bewusstseinszustand vor. Ein „subtraktiver“ Weg, der bei der nondualen Meditation und der niedrigen Dosis von 5-MeO-DMT beobachtet wurde, ist mit verringerter neuronaler Aktivität, geringerer Entropie der Hirnsignale, einer deutlichen Reduktion konzeptueller Verarbeitung und größerer Gleichmut verbunden. Demgegenüber steht ein „Sättigungsweg“, wie er unter der hohen Dosis von 5-MeO-DMT auftrat. Dieser ist durch erhöhte Gamma-Aktivität, eine höhere Entropie der Hirnsignale sowie Erfahrungen von Weite, weißem Licht und sensorischer Abkopplung gekennzeichnet.
Die Forschenden betonen, dass die beobachteten Überschneidungen darauf hindeuten könnten, dass niedrige Dosen von 5-MeO-DMT eine Ergänzung zur meditativen Praxis darstellen. Sie sehen darin einen möglichen Ansatzpunkt für weitere Untersuchungen zur Erforschung des Bewusstseins und potenzieller klinischer Anwendungen. Als nächsten Schritt schlagen sie Studien vor, die nonduale Meditation unter einer niedrigen Dosis von 5-MeO-DMT untersuchen. Aufgrund des Charakters als Einzelfallstudie lassen sich die Ergebnisse jedoch nicht ohne Weiteres auf andere Personen übertragen.
Timmermann, C., Barba, T., Sanders, J., Offort, S., Dunne, J., Erritzoe, D., Lutz, A. (2025), Neural effects and phenomenology of nondual meditation and 5-MeO-DMT in an expert meditation practitioner, https://doi.org/10.31234/osf.io/whqdp_v2