DMT: Potenzial als schnell wirksames Antidepressivum mit Langzeitwirkung (vergleichende Studie mit S-Ketamin)

Eine präklinische Studie liefert neue Hinweise darauf, dass DMT möglicherweise ähnlich schnell antidepressiv wirken könnte wie S-Ketamin – und dabei zusätzlich angstlösende Effekte zeigt, die deutlich länger anhalten. Das berichten Forschende nach Experimenten mit sogenannten „hilflosen“ Mäusen, einem etablierten Tiermodell für stressbedingte Depressionen.

Vergleich mit S-Ketamin

In der Untersuchung verglichen die Wissenschaftler DMT (N,N-Dimethyltryptamin) mit S-Ketamin, das bereits als schnell wirksames Antidepressivum klinisch eingesetzt wird. Mäuse wurden zunächst durch unvermeidbare Elektroschocks in einen Zustand erlernter Hilflosigkeit versetzt. Anschließend erhielten nur die besonders belasteten Tiere entweder DMT, S-Ketamin oder ein Placebo.

Schnelle Hilfe gegen depressive Symptome

Die Ergebnisse zeigen eine rasche Wirkung: Bereits 24 Stunden nach der Gabe verbesserten sowohl DMT als auch S-Ketamin bei gruppengehaltenen Mäusen depressive Verhaltensmuster. Die Tiere zeigten weniger Fluchtdefizite und reagierten schneller auf Belastungssituationen. Bei einzeln gehaltenen Mäusen verhinderten beide Substanzen zudem noch fünf Tage später stressbedingte Anzeichen von Anhedonie – also den Verlust von Freude oder Interesse.

Überraschende Langzeitwirkung von DMT

Besonders auffällig war die Dauer der Wirkung im sogenannten Tail-Suspension-Test:

  • DMT reduzierte die regungslose „Resignationsphase“ der Tiere noch bis zu acht Tage nach einer einzigen Injektion.
  • Die Wirkung von S-Ketamin hielt dagegen selbst bei einer dreifach höheren Dosierung nur etwa 30 Stunden an.

Zusätzliche angstlösende Effekte

Darüber hinaus beobachteten die Forschenden Hinweise auf eine ausgeprägte angstlösende Wirkung von DMT, die bis zu fünf Tage nach der Verabreichung nachweisbar war. Die behandelten Mäuse bewegten sich aktiver in offenen Testumgebungen und erkundeten häufiger exponierte Bereiche – Verhaltensweisen, die in der Tierforschung als Zeichen verringerter Angst gelten. Vergleichbare Effekte zeigte S-Ketamin in diesen Tests nicht.

Einordnung und Ausblick

Die Autoren der Studie sehen darin Hinweise auf ein mögliches „transdiagnostisches“ Potenzial von DMT bei stressbedingten psychischen Erkrankungen, da es gleichzeitig depressive und angstbezogene Symptome adressieren könnte. Allerdings handelt es sich bislang ausschließlich um Tierversuche. Ob sich diese vielversprechenden Ergebnisse auf Menschen übertragen lassen, bleibt offen und muss in klinischen Studien geprüft werden.

DMT ist eine natürlich vorkommende psychedelische Substanz aus der Gruppe der Tryptamine und vor allem als Bestandteil traditioneller Ayahuasca-Zubereitungen bekannt, wird aber auch in Mensch und Tier als endogene (körpereigene) Substanz biosynthetisiert. In den vergangenen Jahren ist das Interesse an psychedelischen Wirkstoffen als moderne Therapieoption in der Psychiatrie deutlich gestiegen.

de Sousa-Silva AN, Moura CA, de Oliveira Torres CI, Marques VB, do Nascimento Silva JM, Lobão-Soares B, Ruschi Silva S, Galvão-Coelho NL, Palhano-Fontes F, Araújo DB, da Silva ED Jr, Gavioli EC. (2026), N,N-dimethyltryptamine elicits antidepressant and anxiolytic effects in helpless mice: a comparative study with S-ketamine, Neuropharmacology 292: 110947.

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