Cannabis: Legalisierung führt nicht zwangsläufig zu höherem Konsum

Eine internationale Forschungsgruppe um Wissenschaftler der University of Bath kommt zu dem Schluss, dass die Entkriminalisierung von Cannabis oder eine streng regulierte Legalisierung nicht zwangsläufig zu einem höheren Konsum in der Bevölkerung führt. Problematisch seien dagegen vor allem stark kommerzialisierte, gewinnorientierte Cannabismärkte, wie sie in Teilen der USA und Kanadas entstanden sind.

Die in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlichte Analyse untersuchte Entwicklungen der Cannabispolitik zwischen 2000 und 2025. Demnach gibt es kaum Hinweise darauf, dass die Entkriminalisierung des Besitzes kleiner Mengen Cannabis oder streng kontrollierte Legalisierungsmodelle zu einem Anstieg des Konsums führen. Anders sehe es in kommerziellen Märkten aus: Dort seien sowohl der Konsum als auch die Wirkstoffstärke der Produkte gestiegen. Gleichzeitig hätten sich die Raten von Cannabisabhängigkeit erhöht.

Die Forschenden berichten zudem von einem Zusammenhang zwischen kommerzialisierten Märkten und einer Zunahme von Krankenhauseinweisungen wegen Psychosen. Besonders betroffen seien Fälle, in denen psychotische Störungen gemeinsam mit einer Cannabisgebrauchsstörung auftreten. Für einen direkten Anstieg der Häufigkeit psychotischer Erkrankungen insgesamt fanden die Autoren allerdings keine einheitliche Evidenz.

Ein weiterer Teil der Forschungsarbeit befasste sich mit medizinischem Cannabis. Die Auswertung von 54 klinischen Studien ergab nur begrenzte Hinweise auf einen therapeutischen Nutzen bei psychischen Erkrankungen. Während Cannabinoide unter anderem Schlafstörungen sowie bestimmte Symptome bei Autismus teilweise lindern konnten, zeigte sich keine überzeugende Wirksamkeit bei Angststörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) oder Psychosen. Für Depressionen lagen keine entsprechenden Studien vor.

Die Autoren betonen daher, dass bei künftigen Reformen der Cannabispolitik weniger die Frage „ob“ legalisiert wird entscheidend sei, sondern vielmehr „wie“. Modelle mit strenger Regulierung könnten nach ihrer Einschätzung die negativen Folgen der Kriminalisierung reduzieren, ohne gleichzeitig die gesundheitlichen Risiken eines kommerziellen Massenmarktes zu fördern.

Quelle

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