Der traditionelle psychedelische amazonische Schamanentrank Ayahuasca könnte kurzfristig bestimmte kognitive Fähigkeiten verbessern und die soziale Wahrnehmung positiv beeinflussen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue systematische Übersichtsarbeit, die die bislang verfügbaren Studien zu den neuropsychologischen Auswirkungen von Ayahuasca ausgewertet hat.
Für die Analyse durchsuchten die Forscher mehrere wissenschaftliche Datenbanken und berücksichtigten alle bis zum 25. März 2025 veröffentlichten Humanstudien. Insgesamt flossen 16 Untersuchungen in die Auswertung ein, darunter elf Beobachtungs- und fünf experimentelle Studien.
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild: Kurzfristig wurden Verbesserungen des Arbeitsgedächtnisses und der kognitiven Flexibilität beobachtet. Die Autoren führen diese Effekte auf eine neurochemische Modulation kortikaler Netzwerke zurück. Im Bereich der sozialen Kognition berichteten Beobachtungsstudien über eine gesteigerte Empathie und eine verbesserte Emotionserkennung.
Auch hinsichtlich möglicher Langzeitfolgen fallen die Ergebnisse überwiegend positiv aus. Die meisten Studien fanden keine neuropsychologischen Defizite bei regelmäßigen Ayahuasca-Anwendern. Einzelne Untersuchungen berichteten sogar von Verbesserungen der Gedächtnisleistung und exekutiver Funktionen.
Die Forscher mahnen jedoch zur Vorsicht bei der Interpretation. Die bisherige Evidenz basiert häufig auf kleinen Stichproben, unterschiedlichen Verabreichungsprotokollen und mehreren Beobachtungsstudien, die keine eindeutigen Ursache-Wirkungs-Schlüsse zulassen. Zudem könnten Lerneffekte die Ergebnisse beeinflusst haben.
Nach Einschätzung der Autoren sind daher weitere kontrollierte und randomisierte Studien erforderlich, um die zugrunde liegenden Mechanismen besser zu verstehen und die bisherigen Befunde zu bestätigen.
de Paula, C.C., Vicentini, A.B., Guerra, L.T.L., Bouso, J.C., Hallak, J.E., Dos Santos, R.G. (2026), Effects of ayahuasca on neuropsychological performance and social cognition: A systematic review, Journal of Psychopharmacology, 02698811261424212.