Australien hat mit der regulierten medizinischen Anwendung von Psilocybin und MDMA international einen Sonderweg eingeschlagen. Eine im British Journal of Pharmacology veröffentlichte Übersichtsarbeit untersucht die Hintergründe der Entscheidung und ihre möglichen Folgen für die weitere Entwicklung psychedelischer Arzneimittel.
Die australische Therapeutic Goods Administration (TGA) stufte Psilocybin und MDMA 2023 neu ein. Die Regelung trat am 1. Juli 2023 in Kraft. Seitdem kann Psilocybin unter bestimmten Voraussetzungen zur Behandlung therapieresistenter Depressionen eingesetzt werden, während MDMA auf die Behandlung einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) beschränkt ist. Die Verschreibung ist ausschließlich Psychiatern vorbehalten, die im Rahmen des TGA-Programms als sogenannte „Authorised Prescriber“ zugelassen wurden.
Die Autoren David Nutt, Peter Hunt, Anne Katrin Schlag und Paul Fitzgerald ordnen die Entscheidung vor dem Hintergrund der stark ausgeweiteten klinischen Forschung mit Psychedelika und MDMA sowie des weiterhin hohen ungedeckten Bedarfs in der Behandlung psychischer Erkrankungen ein. Eine zentrale Rolle bei der politischen Kampagne für die TGA-Entscheidung spielte die australische Organisation Mind Medicine Australia, unterstützt unter anderem von Wissenschaftlern, der Organisation Drug Science sowie klinischen, akademischen und Patientengruppen.
Die Arbeit versteht Australiens Vorgehen nicht nur als nationale regulatorische Entscheidung. Die Autoren diskutieren auch, welche Bedeutung der australische Weg für mögliche Zulassungen in anderen Ländern und für die Entwicklung weiterer psychedelischer Arzneimittel haben könnte. Die Publikation ist damit zugleich eine Bestandsaufnahme des bislang ungewöhnlichen australischen Modells für den klinischen Einsatz von Psychedelika.