Eine randomisierte, placebokontrollierte Crossover-Studie mit 45 gesunden Erwachsenen liefert Hinweise darauf, dass eine einmalige Gabe von 100 Mikrogramm Lysergsäurediethylamid (LSD) noch Tage nach der Einnahme mit Veränderungen einzelner Lern- und Neurophysiologie-Parameter verbunden sein kann. Tierexperimentelle Studien hatten bereits auf längerfristige Effekte von LSD auf die neuronale Plastizität hingedeutet, entsprechende Daten aus Studien am Menschen waren bislang jedoch begrenzt.
Die Forschenden untersuchten die Teilnehmenden bis zu einer Woche nach der Einnahme mithilfe von Elektroenzephalografie (EEG), transkranieller Magnetstimulation (TMS), Messungen des neurotrophen Faktors Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF) im Blut sowie Tests zum motorischen Lernen. Darüber hinaus erfassten sie den wahrgenommenen Stress und Aspekte der kognitiven Flexibilität mithilfe von Fragebögen.
Bessere Festigung von Bewegungsabläufen und weniger Stress
Einen Tag nach der LSD-Gabe zeigte sich eine signifikante Verbesserung beim sogenannten Offline-Lernen von Bewegungsabläufen. Damit sind Leistungszuwächse gemeint, die zwischen zwei Übungseinheiten in Phasen ohne weiteres aktives Training – etwa während Ruhe- oder Schlafphasen – auftreten; das Gehirn festigt das Gelernte in dieser Zeit quasi von selbst. Eine Woche nach der Einnahme berichteten die Teilnehmenden zudem über ein geringeres Stressempfinden und zeigten Verbesserungen in einzelnen Aspekten der kognitiven Flexibilität.
Anhaltende neurophysiologische Veränderungen
Auch auf neuronaler Ebene fanden sich signifikante Veränderungen. Im EEG verringerte LSD akut die Amplituden der auditorischen ereigniskorrelierten Potenziale N1 und P2; Modifikationen des P2-Potenzials waren auch eine Woche später noch nachweisbar. Bei der transkraniellen Magnetstimulation zeigten sich nach der LSD-Gabe größere Amplituden und kürzere Latenzen motorisch evozierter Potenziale. Dagegen veränderten sich die Konzentrationen des für das Nervenwachstum wichtigen Faktors BDNF im peripheren Blut nicht.
Methodische Herausforderungen und Einordnung
Nach Einschätzung der Autoren sprechen die Ergebnisse für weitere Untersuchungen zum Einfluss von LSD auf menschliche Lernprozesse. Zugleich verweist die Arbeit auf wichtige methodische Herausforderungen bei der Messung von Langzeitpotenzierung (LTP) bzw. langfristiger synaptischer Plastizität am Menschen. Da ausschließlich gesunde Erwachsene untersucht wurden, lassen sich aus den Befunden keine direkten Aussagen über einen therapeutischen Nutzen von LSD ableiten.
Calder, A.E., Diehl, V.J., Lietz, M.P. et al. (2026), Acute and post-acute neurobehavioral responses to lysergic acid diethylamide in healthy subjects: a randomized controlled study, Neuropsychopharmacol. 2026; https://doi.org/10.1038/s41386-026-02454-7