Eine neue Studie liefert Hinweise darauf, dass das Serotoninsystem eine bislang unterschätzte Rolle bei der Immunabwehr gegen kolorektalen Krebs spielt. Wie Forscher zeigen konnten, verstärkt die gezielte Aktivierung des Serotoninrezeptors 5-HT2A die antitumorale Immunantwort in präklinischen Modellen und hemmt das Wachstum von Darmkrebs.
Im Experiment zeigte LSD (Lysergsäurediethylamid) eine verstärkte, von CD8⁺-T-Zellen vermittelte Immunreaktion gegen Tumorzellen. Um diesen Mechanismus therapeutisch zu nutzen, ohne zentralnervöse oder psychedelische Nebenwirkungen auszulösen, entwickelten die Wissenschaftler den Wirkstoff IHCH-8110. Der neuartige 5-HT2A-Agonist überschreitet die Blut-Hirn-Schranke nicht und wirkt somit selektiv auf periphere Rezeptoren.
Als zentralen Wirkmechanismus identifizierte das Team 5-HT2A-Rezeptoren auf enterischen Gliazellen im Darm. Deren Stimulierung führt zur verstärkten Ausschüttung der Botenstoffe CXCL10 und Interleukin-18 (IL-18). Dies fördert die gezielte Rekrutierung und Aktivierung von CD8⁺-T-Zellen in der Tumorumgebung. Durch diese Umwandlung immunologisch inaktiver („kalter“) Tumoren in ein ansprechbares Milieu konnte IHCH-8110 auch die Wirksamkeit einer begleitenden PD-1-Immunblockade signifikant steigern.
Die Ergebnisse belegen ein komplexes Zusammenspiel zwischen Serotoninsystem, enterischem Nervensystem und Tumorimmunologie. Da es sich um Ergebnisse aus präklinischen Modellen handelt, belegt die Untersuchung noch keine Wirksamkeit beim Menschen. Ob sich periphere 5-HT2A-Agonisten künftig als Ergänzung zu bestehenden Immuntherapien bei Darmkrebs etablieren lassen, müssen weitere präklinische und spätere klinische Studien zeigen.