Das Psychedelikum 2C-B verändert die funktionelle Organisation des menschlichen Gehirns auf ähnliche, aber teilweise unterscheidbare Weise wie Psilocybin. Das zeigt eine im Fachjournal Molecular Psychiatry veröffentlichte Studie, in der Forschende erstmals die akuten neuronalen Effekte von 2C-B beim Menschen systematisch untersuchten.
An der doppelblinden, Placebo-kontrollierten Crossover-Studie nahmen 22 gesunde Erwachsene teil. Die Probanden erhielten in drei Sitzungen jeweils 20 Milligramm 2C-B, 15 Milligramm Psilocybin oder Placebo. Während des akuten Wirkzeitraums wurde ihre Hirnaktivität mit einer 7-Tesla-Resting-State-fMRT untersucht. Die subjektive Intensität der akuten Wirkung unterschied sich während der Bildgebung nicht signifikant zwischen 2C-B und Psilocybin. Bei den rückblickend erfassten psychedelischen Erfahrungen war angstbezogene Ego-Auflösung unter Psilocybin allerdings stärker ausgeprägt.
Beide Substanzen führten zu einer sogenannten Desegregation der funktionellen Hirnnetzwerke: Die funktionelle Konnektivität innerhalb bestimmter Netzwerke nahm ab, während die Kommunikation zwischen unterschiedlichen Netzwerken sowie zwischen kortikalen und subkortikalen Hirnregionen zunahm. Gleichzeitig erhöhte sich bei beiden Substanzen die Komplexität der spontanen Hirnsignale.
Die Unterschiede zwischen den beiden Psychedelika waren ebenfalls deutlich. 2C-B verringerte die Variabilität der dynamischen Konnektivität zwischen Netzwerken weniger stark als Psilocybin und führte zugleich zu stärkeren Zunahmen der funktionellen Konnektivität in transmodalen Netzwerken. Auch bei der globalen Konnektivität zeigten sich unterschiedliche räumliche Muster.
Die Forschenden verglichen die räumliche Verteilung der Hirneffekte außerdem mit PET-basierten Karten der Bindung verschiedener monoaminerger Transporter und serotonerger Rezeptoren. Die beobachteten Muster ließen sich dabei nicht allein durch den 5-HT2A-Rezeptor erklären. Die Ergebnisse sprechen vielmehr dafür, dass die unterschiedlichen pharmakologischen Profile von 2C-B und Psilocybin zur Ausprägung ihrer jeweils spezifischen Veränderungen der funktionellen Hirndynamik beitragen.
Darüber hinaus fanden die Forschenden einen Zusammenhang zwischen Veränderungen der funktionellen Organisation und Verhaltensmaßen der psychedelischen Wirkung. Insbesondere die Entkopplung der transmodalen Achse der Hirnorganisation erwies sich als neurobiologischer Marker der subjektiven Effekte.
Die Studie liefert damit erstmals direkte Daten zur menschlichen Neurobiologie von 2C-B und zeigt, dass das Phenethylamin wesentliche Merkmale der durch Psilocybin bekannten Netzwerkveränderungen teilt, zugleich aber ein eigenes Muster funktioneller Hirndynamik erzeugt. Die Ergebnisse machen 2C-B zu einem interessanten Modell für die psychedelische Neurowissenschaft. Einen therapeutischen Nutzen oder eine Überlegenheit gegenüber Psilocybin belegt die Untersuchung jedoch nicht; dafür wären klinische Studien mit entsprechenden Patientengruppen erforderlich.