Weltweit ist seit geraumer Zeit ein Trend zu beobachten, bei dem immer neue Analoga von Lysergsäurediethylamid (LSD) auf dem Markt auftauchen. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung aus Japan beleuchtet diese Entwicklung nun anhand von konkreten Produktfunden. Selbst nach der strikten Regulierung bereits bekannter Derivate gelingt es Herstellern im Graubereich der Legalität offenbar fortlaufend, neue Verbindungen mit modifizierten chemischen Strukturen in den Umlauf zu bringen, um bestehende Gesetze zu umgehen.
Im Rahmen der vorliegenden Studie ist es Forschenden gelungen, zwei bisher in dieser Form in Japan nicht dokumentierte LSD-Analoga zu identifizieren. Die Substanzen wurden in Produkten nachgewiesen, die über japanische Online-Kanäle frei zugänglich waren und dort entweder in Tablettenform oder auf klassischen Papierblottern vertrieben wurden. Für die präzise Identifikation und Strukturaufklärung der unbekannten Wirkstoffe setzte das Team auf ein breites Spektrum hochmoderner analytischer Verfahren. Die exakte Bestimmung erfolgte über die Kombination von Gaschromatographie-Massenspektometrie, Flüssigkeitschromatographie mit Photodiodenarray-Detektion und Massenspektometrie sowie Flüssigkeitschromatographie gekoppelt mit Hybrid-Quadrupol-Flugzeit-Massenspektometrie. Abgerundet und final abgesichert wurde die Strukturaufklärung durch Kernresonanzspektroskopie-Messungen (NMR).
Mithilfe dieser Analysen konnten die beiden chemischen Verbindungen zweifelsfrei identifiziert werden. In den untersuchten Tabletten wiesen die Wissenschaftler die Substanz 4-Benzoyl-N,N-Diethyl-7-Methyl-4,6,6a,7,8,9-Hexahydroindolo[4,3-fg]quinolin-9-Carboxamid nach, kurz als 1Bz-LSD bezeichnet. In den Papierprodukten wurde hingegen das Analogon N,N-Diethyl-7-Methyl-4-(4-(Trimethylsilyl)Benzoyl)-4,6,6a,7,8,9-Hexahydroindolo[4,3-fg]quinolin-9-Carboxamid, bekannter unter dem Kürzel 1-TMSBz-LSD, detektiert.
Die Veröffentlichung stellt den ersten Bericht über den Nachweis dieser beiden spezifischen LSD-Analoga in Tabletten- und Blotterform in Japan dar. Die Ergebnisse der Arbeit unterstreichen eindringlich die Dynamik auf dem Markt für neuartige psychoaktive Substanzen, auf dem die Synthese neuer Derivate oft schneller erfolgt als deren gesetzliche Erfassung vor Ort.
Tanaka, R., Kawamura, M., Ito, M., Kikura‐Hanajiri, R. (2026), Identification and Analysis of Lysergic Acid Diethylamide Analogs, 4‐Benzoyl‐N, N‐Diethyl‐7‐Methyl‐4, 6, 6a, 7, 8, 9‐Hexahydroindolo [4, 3‐fg] quinoline‐9‐Carboxamide (1Bz‐LSD) and N, N‐Diethyl‐7‐Methyl‐4‐(4‐(Trimethylsilyl) Benzoyl)‐4, 6, 6a, 7, 8, 9‐Hexahydroindolo [4, 3‐fg] quinoline‐9‐Carboxamide (1‐TMSBz‐LSD), in tablet or paper sheet products available online in Japan, Drug Testing and Analysis 18(4): 510-517.